deep dish

ein choreographischer live-film

Ein Abendmahl wird zu einer abenteuerlichen Reise durch die Dimensionen von Makro- und Mikrokosmos. Mittels Handkamera führen die Performer durch bizarre Parallelwelten aus organischen Objekten. Durch den Einsatz filmischer Methoden und akustischen Verfremdungen entstehen Bild-Metaphern, die an barocke Gelage, Gärten der Lüste, und an deren unvermeidbaren Zusammenbruch erinnern. Eine von Sehnsucht und Neugierde getriebene Gesellschaft, ausgelassen und abgestumpft zugleich, feiert ihre eigene Vergänglichkeit.

Die verschiedenen Dimensionen der Wirklichkeit spiegeln sich als Überformungen der Realität in einer übergroßen Projektion wieder. In diesem Stillleben wird jede Bewegung, jedes affektierte Verhalten der Protagonisten, unaufhaltsam von der Gewalt der Natur absorbiert. Inspiriert vom Roman Locus Solus, in dem der Universalgelehrte Martial Chanterel seine ausgewählten Gäste durch Landschaften unterschiedlicher Wahrnehmung führt, ist Deep Dish eine Referenz auf die Schönheit und Dekadenz einer menschlichen Existenz, die an sich selbst zugrunde geht.

In der Perfect Garden Serie von Liquid Loft mit dem bildenden Künstler Michel Blazy ist das Motiv des Gartens Ausdruck menschlichen Strebens nach Beherrschung der Dinge im unerbittlichen Fluss der Vergänglichkeit, aber auch Sinnbild des Wachsens und Wucherns, das immer wieder Neues zur Entfaltung bringt.

photos: c. haring, m. loizenbauer

jetzt haben wir den salat

Thomas Edlinger

Der Salat fühlt sich nicht mehr frisch. Von der Decke tropft die Zeit. In der Natur gibt es keine Sollbruchstellen, sondern nur Mannigfaltigkeiten, ein ständiges Werden, Wuchern und Vergehen. Der Garten ist also wirklich perfekt, aber zu seinen eigenen Bedingungen – und daher kein Paradies für uns, die wir uns selbst ungefragt zu ihm eingeladen haben. Dem Garten abgetrotzte, zu einem flüchtigen Monument der Fäulnis drapierte Früchte türmen sich auf. Eine Ruine mit diversen Ausstülpungen, Steilwänden, Geröllhalden, Höhlen und Grotten. Vor ihr, in ihr und um sie herum fuhrwerkt ein hochauflösendes Auge Gottes, eine Sonde. Wir kennen solche tollen Apparate zum Beispiel aus dem Zusammenspiel von Lebewesen und Maschinen aus den im wahrsten Sinn des Wortes überschäumenden Close-Up´s von Muscheln, Brettern und Gischtfontänen in dem Film Leviathan der beiden Anthropologen Véréna Paravel und Lucien Castaing-Taylor.

Eine prekäre Skulptur aus Lebensmitteln. Die Kamera ertastet und erforscht sie, geführt als Tanz und von Tanzenden, die mehr und mehr mit dem Ding in der Mitte verschmelzen. Werden sie selbst am Ende zu einer prekäre sozialen Skulptur? Und ist der Haufen am schwarzen Magiertisch noch Laune der Natur oder schon die Kunst des Zufalls? Oder ist er nur Abenteuerspielplatz einer Schaulust, die sich, ähnlich wie die bildgebenden Verfahren in der Medizin, an den übermenschlichen Fähigkeiten des automatisierten Sehens erfreut?

Schönheit, das kann ein Kippbild zwischen Imaginären und Realem sein. Suspense, das kann eine Mise en Scène voller Close-Up-Extremismus sein, verwirrt durch raffinierte Verschiebungen von Größenverhältnissen, unvertraut durch die In- und Übereinanderschichtung der Bildfragmente. Repräsentative Ordnungen sind Machtordnungen, und die sollen und müssen so nicht sein.

photos: b. müller

die metamorphosen des ovid als posthumanistische phantasie:

die Haut einer Orange wird zur fantastischen Kraterlandschaft in einem bislang noch nicht gedrehten Science-Fiction-Film. Menschliche Partialobjekte (nennen wir sie Arme) schlängeln sich als herrenlose Lebewesen ins Bild.

Die dazugehörigen Körper sind bigger than life-Projektionen in einem üppigen Urwald aus verrottenden Salatblättern und Tomaten, arrangiert zu einem verfließenden Bild, das Frühstück im Grünen heißen könnte. In einem Wasserglas wimmelt und schwimmt neues Leben. Es hat keine Seele – und trotzdem für einen kurzen Moment die gleichen Rechte auf Selbstdarstellung wie all die anthropozentrisch verseuchten Menschen um uns. Überall ist Überschuss, großherzige Verschwendung, Arte Povera 2.0., Verschmelzung und neue Zellteilung.

Das Auge springt. Landscapes aus den Parallelwelten zwischen Computeranimationen und Surrealismus, geboren aus der zufälligen Begegnung einer Kamera und einer Erdbeere auf einem Seziertisch. Im Vordergrund könnte ein Realbild einer im Zweifel für den Zweifel votierenden Tanz-Performance zeigen, wie sich zwei Körper zu einer Pietá-Szene betten. Später verbiegen und dehnen sie sich wie von einer fremden Kraft ferngesteuert. Die Spielenden werden miteinander in fremden, auch gespaltenen Zungen sprechen, einander in Schwingungen versetzen und dadurch Simultanbewegungen – und handlungen auslösen: Eine Infektion breitet sich aus als Tanz.

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Liminale Räume entstehen, Schwellenzustände, die nach der rituellen Aufkündigung einer vorgängigen kollektiven Konstellation einsetzen und zu neuen, vorläufigen Beziehungsformen der Körper im Realbild und im Projektionsbild führen. Dazwischen geht die Sprache flöten und/oder fremd. Als manchmal nur atmosphärisch verständliches und technisch verfremdetes Instrument persifliert sie kommunikative Leerläufe und Störungen. „Eure ganz großen Themen sind weg!“ heißt ein Theaterstück von René Pollesch. Das Reden zieht gegen die expressive Geste oft den Kürzeren.

Wenn sich das Wort mit der Performance in die Haare kriegt, wenn die Stimme eine Kurve aus Nullen und Einsen wird, dann weiß keiner mehr, wen eigentlich die Aufklärung mit der Forderung Autonomie des Subjekt im Blick hatte. Sich windende und verrenkende Körper reagieren nämlich immer auch schon auf die Anforderungen anderer, auch des Regisseurs. Ihre Autonomie, ihre Freiheit, basiert auf der vorgängigen Beanspruchung des Anderen, die die soziale Lebenswelt immer schon bereitstellt. Autonomie wird überschätzt. Der Philosoph Simon Critchley sagt: „Es geht nicht darum, eine narzisstische Beziehung zwischen meinem freien Selbst und den Gesetzen, die ich mir selbst gebe, aufzubauen. Das Subjekt entsteht aus dem Verhältnis zu der fundamentalen Forderung des anderen an mich, die mich von mir selber trennt und zu der ich mich durch mein Handeln in der Welt verhalte.“

Das Subjekt torkelt und stolziert zwischen Fremd- und Selbstbestimmung. Man muss ihm nur zuhören, wie es klingt als säuselnde, murmelnde, kreischende Menschmaschine. Als wären die Unterschiede zwischen menschlicher Artikulation, dokumentarischer und bloß verstärkter Aufzeichnung des Hörbaren und einer akustischen Fiktionalität im Zeichen digitaler Effekte und Programme ins Fließen geraten.

nur die zeit tropft stur von der decke, ihr leben lang. solange die uns nicht auf den kopf fällt, werden wir verzauberte heterotopien weiter suchen, finden und lieben.

10.11.2023 - 11.11.2023

TOPLOCENTRALA Centre for Contemporary Arts, Sofia, BG

22.09.2019

Platform of Contemporary Dance, Maribor, SI

19.05.2019

MODAFE, Seoul, Korea

09.02.2019

Naves Matadero, Madrid, Spain

08.02.2019

Naves Matadero, Madrid, Spain

07.02.2019

Naves Matadero, Madrid, Spain

01.02.2019

CCAM Scène Nationale de Vandoevre, France

31.01.2019

CCAM Scène Nationale de Vandoevre, France

05.10.2018

Théâtre 140, Brussels, BE

04.10.2018

Théâtre 140, Brussels, BE

05.07.2017

Full Spin Festival Essen, DE

27.05.2017

Dublin Dance Festival, Ireland

26.05.2017

Dublin Dance Festival, Ireland

25.03.2017

Biennale de Danse du Val-de-Marne / Maison des Arts de Créteil, France

24.03.2017

Biennale de Danse du Val-de-Marne / Maison des Arts de Créteil, France

13.12.2016

Salle Garnier, Opéra de Monaco, MC

14.06.2016

IKS Festival Split, HR

07.06.2016

Platonov Festival Voronezh, RU

06.06.2016

Platonov Festival Voronezh, RU

23.04.2016

Festival Kontrapunkt, Szczecin, PL

29.10.2015

Cultuurcentrum Hasselt, BE

15.10.2015

CODA Oslo International Dance Festival, NO

08.07.2015

Julidans, Amsterdam, Netherlands

07.07.2015

Julidans, Amsterdam, Netherlands

04.07.2015

Sommerszene Salzburg, AT

03.07.2015

Sommerszene Salzburg, AT

19.06.2015

Tanec Praha, Prague, CZ

18.06.2015

Tanec Praha, Prague, CZ

16.05.2015

Figurentheaterfestival Nürnberg, DE

25.04.2015

Tanzquartier Wien, AT

28.02.2015

Dansens Hus, Stockholm, SE

27.02.2015

Dansens Hus, Stockholm, SE

17.01.2015

CSS Teatro stabile di innovazione, Udine, IT

09.01.2015

Tanzhaus NRW, Düsseldorf, DE

08.01.2015

Tanzhaus NRW, Düsseldorf, DE

08.12.2014

Kino Siska, Ljubljana, SI

14.11.2014

NEXT Festival, Tournai, BE

10.10.2014

eXplore dance Festival, Bucharest, RO

24.08.2014

Opera Estate, Bassano de Grappa, IT

06.08.2014

ImPulsTanz Vienna International Dance Festival, AT

14.06.2014

Tanz.Ist Dornbirn, AT

13.06.2014

Tanz.Ist Dornbirn, AT

23.05.2014

Festival des Chemins de Traverse, Noisy Le Grand, FR

17.05.2014

Trafo Budapest, HU

16.05.2014

Trafo Budapest, HU

14.12.2013

Tanzquartier Wien, AT

13.12.2013

Tanzquartier Wien, AT

12.12.2013

Tanzquartier Wien, AT

21.07.2013 - 31.07.2013

Le Centquatre Paris, FR

21.07.2013 - 31.07.2013

Le Centquatre Paris, FR

18.03.2013 - 27.03.2013

Korzo Theater, Den Haag, Netherlands

18.03.2013 - 27.03.2013

Korzo Theater, Den Haag, Netherlands

dates

Tanz, Choreografie: Luke Baio, Stephanie Cumming, Katharina Meves, Anna Maria Nowak
Künstlerische Leitung, Choreografie: Chris Haring
Komposition, Sound Design: Andreas Berger
Dramagurgie, Szenografie, Licht Design: Thomas Jelinek
Organische Skulpturen, künstlerische Beratung: Michel Blazy
Stage Management: Roman Harrer
Theorie: Thomas Edlinger
Internationale Distribution: Line Rousseau & Marion Gauvent, A PROPIC
Produktionsleitung, Management: Marlies Pucher

Koproduktion: Tanzquartier Wien und Liquid Loft in Kooperation mit Korzo Den Haag und Le Centquartre Paris.

Liquid Loft wird unterstützt von der Kulturabteilung der Stadt Wien – MA7 und dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur.

credits

exeuntmagazine.com, 26.5. 2017

/ Chris Mccormack

Early on in Liquid Loft’s surreal production, a live camera zooms in on a party platter of fruit and vegetables. Magnified stalks of broccoli begin to resemble a miraculous forest. Mushroom ridges come into focus like bizarre rock formations. Basic groceries become uncanny.

This collaboration between Austrian choreographer Chris Haring and French visual artist Michel Blazy is part of their Perfect Garden series, based on Hieronymous Bosch’s infamous painting The Garden of Earthly Delights. Deep Dish takes its structure from an even stranger source: Raymond Roussel’s 1914 novel Locus Solus, which follows a group of scientists on their visit to a strange country estate.

There is something notably curious about how Haring’s production oscillates between Blazy’s revelatory food sculptures and the chitchat of four dancers at a dinner table. Meticulously timed snaps of celery, bites of apples and swishes of wine create an unsettling rhythm with which they annihilate their food. This is dining of the most visceral kind.

Haring’s choreography gleams with images of ancient excess. High wrists and chins are used for feeding grapes and sipping wineglasses. In Luke Baio’s stunning manipulation of the camera, we see limbs interweave and tangle, suggesting more sensuous pleasures. The production descends expertly into Bacchanalia.

But as portrayals of decadence go, this isn’t without its sympathy. The camera intimately finds the teardrops of Katharina Meves, marvellously revealed as a kind of horticultural goddess. We are teased by a withheld secret from a manic party guest (the sly Stephanie Cumming), a truth she insists would alter our worldview. It’s no coincidence, perhaps, that the camera pans in the same moment onto the rot of decomposing vegetables.

This is an insistent portrayal of the world through its wondrous botany, where an orange looms large like a celestial object, and even dancing microorganisms get a cameo. Imagery of degenerating matter surely signal death, but Haring’s decadent gestures don’t quite find a tragic note.

Instead we’re left with Blazy’s grotesque displays (and a disturbingly well-controlled gag reflex from Anna Maria Nowalk). In the final moments, we are lost in a cyclorama of floating waste, where strawberry shards and broccoli branches hover like debris. The fact that it’s left to the food and video design, and not the dancers, to articulate the decay and ruin of opulent living might be a little disappointing. Then again, people are what they eat.

delteatro.it, 29.8.2014

A tavola con Bosch e Greenaway / Andrea Falcone

http://www.delteatro.it/2014/08/29/tavola-con-bosch-e-greenaway/

Mescolando ingredienti del cinema e dalle arti visive, Chris Haring prepara il piatto perfetto: Deep Dish, uno spettacolo di danza, in prima italiana a Bassano Operaestate.

A chiudere B-motion danza, la rassegna di quattro giorni dedicata alle più recenti tendenze coreografiche ospitata a Bassano del Grappa, c’è una produzione pubblicizzata anche nel cartellone principale di Operaestate Festival Veneto. La programmazione torna così ad avvicinare agli spettacoli di giovani artisti e compagnie (caratterizzati solitamente dalla brevità e dalla riconducibilità, più o meno diretta, a un contesto di formazione e mobilità condiviso) un lavoro di più ampio respiro.

Deep Dish, questo è il titolo, è l’ultimo di una serie di eventi (tra coreografie, allestimenti e performance site specific) elaborati dal coreografo austriaco Chris Haring, Leone d’oro alla Biennale Danza di Venezia nel 2007, con la compagnia Liquid Loft e l’artista visivo francese Michel Blazy. Il progetto complessivo, intitolato The Perfect Garden, era stato presentato a Operaestate già nel 2012, con un primo esito spettacolare.

Secondo le parole degli autori, Deep Dish è un film coreografico dal vivo. All’arrivo del pubblico, sul palco del Teatro Remondini è allestito un piccolo set cinematografico. Illuminato, al centro, c’è un tavolo apparecchiato. Sulla sua tovaglia bianca, e tutto intorno, si compone pezzo per pezzo la scena di un banchetto. Quattro sono i commensali, tre donne e un uomo; quest’ultimo, armato di telecamera, in un gioco di approssimazioni e allontanamenti, riprende ogni dettaglio della tavolata, fruga fra la frutta e i bicchieri, accarezza, quasi, i volti delle ragazze, le loro braccia, le mani.

Ogni immagine finisce sullo schermo che chiude e incornicia la scena. Il dettaglio, ripreso dalla telecamera, diventa in tempo reale nuovo sfondo della vicenda, trasportandola altrove. C’è un’unità di fondo, dettata dal ritmo, scandito da una goccia che cade continuamente dal soffitto in un calice, puntuale come un metronomo. Ci sono stile coreografico e disegno drammaturgico. Il primo è fatto di gesti rubati alla vita quotidiana, in una partitura fisica serrata, a volte ripetuta e interrotta, come una registrazione rovinata. Il secondo è caratterizzato da una progressiva crescita, nella maturazione delle dinamiche tra i personaggi, nel cambiamento di stato degli oggetti sul tavolo, sempre più numerosi, più sporchi, addirittura decomposti.

In questo flusso, il genio dell’autore e la perizia tecnica dei performer permettono di creare scene diverse e indimenticabili. Il movimento della telecamera ad alta definizione scova dettagli inaspettati: ci mostra la vita che ignoriamo, nell’acqua di un vaso o sul fondo di un bicchiere; attesta la nostra stessa scompostezza, la vorace sensualità di bestie tra le bestie che ci caratterizza. L’autore gioca con le proporzioni delle foglie e dei frutti, ingigantendoli. Ma la natura che prende posto sulla scena, è una natura morta, un prodotto culturale.

Tanti sono i rimandi alle opere d’arte del passato. L’intera serie “The perfect garden” è ispirata all’immaginario del pittore Hieronymus Bosch, in particolare al trittico del “Giardino delle Delizie” esposto a Madrid. Tra abbracci impossibili, animali nascosti e fragole enormi, le scene di Deep Dish offrono una tardiva realizzazione delle visioni del fiammingo. Poi c’è il cinema, che riaffiora nella sua veste più popolare, di fantascienza, nelle atmosfere aliene di alcune riprese, nel gioco che porta il danzatore a un “incredibile rimpicciolimento”. Ma i rimandi più chiari sono al cinema d’autore, quello di Marco Ferreri, Luis Buñuel, Peter Greenaway.

Splendidamente legata al capolavoro di quest’ultimo, “Il cuoco, il ladro, sua moglie e l’amante”, lo spettacolo mette in scena una metafora della digestione, rappresentata in tutte le sue fasi, dalla presa del cibo, alla masticazione, fino alla dissoluzione finale. L’ultima visione del banchetto è un gorgo, in cui i resti della cena si disperdono, sfacendosi lentamente. Mentre il vortice gira sullo schermo e la luce cala, la musica, che ha accompagnato l’intera serata, tra rivisitazioni di Handel (“lascia ch’io pianga”) ed elaborazioni live, si spegne, lasciando inchiodati alle sedie gli spettatori.

Ci si chiede: cos’è questa forza che tutto attira? Sarà la vita? La morte? A luce accesa, ogni cosa riprende le dovute proporzioni e tutto appare come un gioco, condotto superbamente da un team artistico d’insolita, quanto piacevole, bravura.

canal historique, 5.8.2014

/ Thomas Hahn

http://dansercanalhistorique.com/2014/08/05/chris-haring-deep-dish/

L’image peut-elle devenir la raison d’être d’une pièce de danse ? Oui, à condition d’être parfaite comme un jardin… Deep dish est une libation chorégraphiquement détournée, un « film chorégraphique réalisé en direct » pour quatre performers et une caméra à haute résolution.

Bien plus qu’une cinquième colonne, la scénographie occupe le centre du plateau, une table. Dressée pour un repas de fruits et de légumes, elle devient la scène d’une cène à dévorer avec les yeux, où l’acte de manger se transforme en rituel partagé, comme pour livrer une métaphore de la condition humaine. L’homme, sublime et effroyable en même temps, ne se réalise qu’en ingurgitant ou exhalant des matières et substances.

Si tout spectacle prend sa forme définitive dans la tête du spectateur, Deep Dish se déroule essentiellement dans l’abîme qui s’ouvre entre ce que nous voyons se dérouler sur scène et l’image produite sur place, en tant que partie des événements, eux-mêmes transformés en film d’aventure.

C’est presque microscopique, presque comme si on regardait sous la peau des choses. Rien n’apparaît comme nous avons l’habitude de (ne pas) le voir dans la vie. Feuilles de menthe ou de salade, fraises ou poireaux… Frais ou en décomposition, tout se transforme en paysage ou en coulée.

La découverte d’objets aussi familiers qu’un ananas dans une transfiguration aussi radicale et inattendue déclenche un trouble profond qui peut, chez certains spectateurs, déclencher des réactions émotionnelles à peine contrôlables. L’esthétique peut encore faire frémir !

La caméra bouleverse les perspectives, l’écran géant en fond de scène est ici le véritable plateau de danse. L’orange n’est pas bleue, elle est une planète. La fraise apparaît, telle une montagne, plus grande que l’homme.

Michel Blazy, artiste végétal de renommée mondiale et Chris Haring, chorégraphe installé à Vienne, signent une des créations les plus fascinantes de la saison, et il s’agit bien d’une pièce de danse ! Dans leurs chorégraphies, les quatre interprètes affrontent les labyrinthes de leur Eden ou enfer avec des corps fluides et légers comme des ballerines, tandis que le danseur Luke Baio fait danser la caméra et les images.

On plonge dans ces visions comme dans un film d’animation, d’abord embarqué pour un voyage fantastique, ensuite comme dans un film d’horreur. L’objectif ne se trompe pas, beauté et monstruosité sont chacune la condition de l’autre. Car Deep Dish connaît sa propre descente aux enfers. Ça se passe sous la table, mais toujours devant la caméra.

Tomate ou pastèque massacrée, un filet de salive qui se répand lentement dans un verre d’eau, cette autre façon de déplacer les regards déclenche sa propre tempête de sensations. Ne plus se voiler la face, et pourtant reconnaître la grandeur des choses et leur beauté, manger et boire en connaissance de cause totale et jusqu’au bout du creux de l’assiette, telle est la missive de Deep Dish. A chacun de décider si l’existence humaine est une assiette creuse à moitié pleine ou à moitié vide.

tanz magazin, august/september 2014, S.68

/ Thomas Hahn

http://kultiversum.net/Tanz-Aktuell/Chris-Haring-The-Perfect-Garden.html

Geradezu meta-irdische Ansichten bietet diese Vogelperspektive. Die Flugroute führt aus dem Ananas-Gebirge über die Erdbeer-Felsen direkt in den Lauch-Dschungel. Falls es ein Paradies gibt, muss es wohl so aussehen wie auf Chris Harings Großbildleinwand – hingepixelt von einer hoch auflösenden Kamera. Es versteckt sich im Dickicht der Minzblätter oder auf dem Planeten Orange. «The Perfect Garden», in der Tat. Doch sobald der Mensch dazukommt, stellt man fest: Es gibt kein Paradies ohne Vertreibung. Man muss ja essen. So setzen sich die Tänzer zu viert an den Tisch, rund um die Obst- und Gemüselandschaft, greifen zu und kauen. Das sieht, wiederum in Großaufnahme, gar nicht appetitlich aus.

Aber eine andere Art von Schönheit entfaltet ihre Faszination und ergreift von uns Besitz. Das Genre wechselt, von 3D-Naturfilm zu Splatter-Bildern, die Farben verändern sich von Grün zu Rot oder Braun. Wer unter die Tafel gleitet, landet in der Hölle. Auch dort wird gefilmt, gnadenlos. Massaker an einer Tomate. Apokalypse der Wassermelone. Schlammlawine verdorbener Salatblätter, ausgespuckt. Ein Wasserglas voller Larven. Manche Zuschauer beginnen hier, ihr Missfallen kundzutun. Bei der Vorstellung in Noisy-le-Grand bricht eine Zuschauerin in nicht mehr zu stoppende Weinkrämpfe aus. Das Entdecken solch ungeheurer Welten hinter der Fassade des täglichen Lebens wirft die gewohnte Ordnung über den Haufen. Auf der Leinwand dreht sich das Bild, es vervielfältigt sich oder scheint in die Tiefsee abzutauchen. Größenverhältnisse kehren sich um. Drei Meter hohe Erdbeeren, und irgendwo dahinter die Menschen, fast verborgen.

Harings Hommage an die Natur entspringt der Zusammenarbeit mit dem französischen Künstler Michel Blazy und dessen Erfahrung in der Gestaltung lebendiger Landschaften. Das Sprießen, Wachsen und Verrotten organischer Materie verwandelt er in Kunst. Haring macht daraus Tanz. Ein kurzes Ballett um den Tisch, zwei Leute auf der Tafel, oder im Dunkel des Abgrunds. Da geben sie jeder ein Bein oder einen Arm, vollführen einen Tanz rund um Nahrung und deren Verarbeitung, Zubereitung. Auch hier verwandelt das Objektiv die Perspektive. Wir sehen beides gleichzeitig, sowohl den Tanz um die goldene Ananas in der Totale als das Close-up aus der Sicht einer Fliege. Nichts in «Deep Dish» ist so tief wie der Abgrund zwischen dem Blick auf die Körper und dem Geschehen auf der Leinwand. Wer das nicht verarbeiten kann oder will, der schimpft oder heult. Die anderen erschauern nur.

Harings Company nennt sich Liquid Loft. Das war nie so stimmig wie für «Deep Dish», wo die Grenzen zwischen Tanz, Medienkultur und pflanzlicher Kunst bis zum Verschwinden verfließen.

falter, 9.7.2014

Körper als Spielverderber / Helmut Ploebst

Die Cyborgs aus den Stücken von Chris Haring werden Menschen immer ähnlicher. Beruhigend ist das nicht

Üblicherweise blüht und gedeiht der menschliche Körper erst einmal vielversprechend. Aber mit den Jahren beginnt das Fleisch zu welken, falls es nicht schon vorzeitig vergeht. Gegen das Ableben gibt es bekanntlich Einwände, und die hat der österreichische Choreograf Chris Haring einmal so auf den Punkt gebracht: Der Körper ist ein „Spielverderber“.

Davon waren vor allem viele von Science-Fiction-Utopien träumende Schäfchen überzeugt – um es mit einer Anspielung auf Philip K. Dick zu sagen. Sie versprachen die elektronische Erlösung. Der Medienphilosoph Vilém Flusser verkündete: „Der Körper ist im digitalen und virtuellen Zeitalter ein nutzloser Restwiderstand.“

Ein makabrer Satz. Haring zitierte ihn vor zehn Jahren in dem Programmzettel für das von ihm geleitete Künstler-Labor „diese Körper, diese Spielverderber “ im damals noch existierenden ChoreographicCentreLinz. So einen körperfeindlichen Kommentar hören jene, die sich mit Tanz beschäftigen, nur ungern. Wird doch gerade von dieser Kunstform der durch historische Sündenideologien und Geistesesoterik verdrängte Körper immer wieder neu ins Spiel gebracht. Sozusagen als politischer Auftrag, dem viele Tänzer und Choreografen folgen.

Chris Haring stellt da keine Ausnahme dar. Aber die Körper in seinen Stücken sind nicht die von glücklichen Bühnenakrobaten. Sondern im Gegenteil solche von Cyborgs, deren Gebrauchsdatum sichtlich abgelaufen ist. Sich in solche gekippten Halbroboter überzeugend einzufühlen ist keine leichte Aufgabe. Harings Tänzerinnen und Tänzer -vor allem Stephanie Cumming, aber auch etwa Alexander Gottfarb, Anna M. Nowak oder der großartige Johnny Schoofs (in „Kind of Heroes“, 2005) und die markante Ulrika Kinn Svensson -haben diese Herausforderung immer tapfer angenommen.

Dabei entwickelten sie erstaunliche Fähigkeiten im Darstellen seltsamer Limitierungen und Irritationen des Körpers und seines Verhaltens. Die versierteste „Techneurotikerin“ in Chris Harings Gruppe Liquid Loft ist zweifellos Stephanie Cumming. Die Kanadierin ist bis heute ein geborener „Fremdkörper“(2003) und „Legal Errorist“(2004) geblieben, sogar dann, wenn sie jetzt bei „Deep Dish“(2013) im Grün einer Nachtsichtkamera-Aufnahme unterm Tisch sitzt und verschwörerisch raunt, dass sie etwas zu erzählen hat. Aber sie kann es nicht sagen. Über diesem Verschweigen tanzen, videotechnisch vergrößert, in einem Glas gefangene Wasserflöhe.

Die Tänzerinnen und Tänzer in Harings Werk spielen diese Transhumanen bis ins Letzte ausgefeilt: Sogar ihre Sprache läuft immer wieder aus dem Ruder und plappert, raunt oder murmelt – stets von den Sprechenden getrennt aus Soundboxen. Als das Projekt „diese Körper, diese Spielverderber… “ zum Stück geworden war und 2004 bei ImPulsTanz im Akademietheater uraufgeführt wurde, war zu erleben, wie der Körper in Harings Arbeit eine unheimliche Spaltung erfuhr. Auf der Bühne wand sich ein Monster, dessen Ober-und Unterkörper in groteskem Missverhältnis zueinander standen. Ein schizophrenes Wesen, das sich selbst das Spiel verdarb. Es war das letzte Stück, in dem Haring noch selbst auftrat.

Aufgefallen war der 1970 im burgenländischen Schattendorf geborene Künstler bereits 1995 als Tänzer in Bert Gstettners Gruppe Tanz*Hotel. Chris Harings Interesse an einem in Verfremdung versetzten Körper hatte sich bereits 1996 in seinem Frühwerk „Cephalopods. Tanzzeitlose Kopffüßer im Tempodrom der Realität“ gezeigt. Aus den Kopffüßlern wurde zwei Jahre später – in Zusammenarbeit mit Klaus Obermaier – „D.A.V.E.“, ein „digital amplified video engine“, der Videobilder passgenau auf Live-Körper projizieren konnte.

Von hier aus brach Haring -seit 2004 unter dem Label Liquid Loft und in Zusammenarbeit mit dem Musiker Andreas Berger sowie dem Regisseur Thomas Jelinek – in seine von Science-Fiction-Elementen getriggerte Zukunft auf. Seinen Durchbruch (und 2007 einen Goldenen Löwen der Biennale von Venedig) brachte ihm sein dreiteiliges „Posing Project“ ein, bei dem sich seine „Heroes“ in die reale Kultur des Aufschneidens und Posierens einschleusten.

Die Ironie, mit der Haring dieser Kultur begegnet, ließ sich auch in einer „Lovely Liquid Lounge“ erleben, die 2009 gemeinsam mit der chinesischen Tanzdiva Jin Xing entstand. Darin hatten auch Arbeiten von Künstlern wie Lisa D., Hans Scheirl und Jakob Lena Knebl Platz. Im Jahr darauf machte der kooperationsfreudige Choreograf ein Stück für Les Ballets de Monte-Carlo, bevor er seine nächste Trilogie startete: „The Perfect Garden“ – ein Abgesang auf unsere Wellness-und Genussgesellschaft. Immer weiter also arbeiten sich Harings „Helden“ aus der Science-Fiction in die Wirklichkeit vor, immer ähnlicher werden die einstigen Cyborgs den Media-Victims von heute: am treffendsten 2010 in der Social-Media-Satire „Talking Head“.

Sowohl „Deep Dish“, der letzte Teil der „Perfect Garden“-Serie, als auch „Talking Head“ sind jetzt bei ImPulsTanz wiederzusehen. Darüber hinaus ist Chris Haring dieses Jahr auch Mentor des danceWeb-Stipendiatenprojekts, für das er 63 Künstlerinnen und Künstler aus 40 Ländern ausgewählt hat.

kulturzeitschrift, 14.6.2014

/ Peter Füssl

Im Anfang war das Gemüse, und das Gemüse ist Tanz geworden – Chris Haring/Liquid Loft sorgen mit „Deep Dish“ für einen fulminanten Ausklang des tanz ist Festivals am Spielboden

„Deep Dish“ ist der Abschluss der aufsehenerregenden vierteiligen „Perfect Garden“-Serie, die Österreichs international renommierter und vielfach ausgezeichneter Top-Choreograph Chris Haring mit seiner Compagnie Liquid Loft in den letzten Jahren erarbeitet hat. 2012 verwandelte er nach Plänen des französischen Künstlers Michel Blazy weite Teile des Spielbodens in einen gleichermaßen faszinierenden wie verstörenden Zaubergarten, der nun in der neuesten Produktion, auf einen etwa zwei mal zwei Meter messenden Tisch komprimiert, nicht weniger verblüffende Ergebnisse liefert.

Im Anfang war das Gemüse … 

Wie nebenbei tragen Stephanie Cumming, Katharina Meves, Anna Maria Nowak und Luke Baio üppiges Gemüse, Obst, Pilze, allerlei Grünzeug und Getränke herein und drapieren damit den großen Tisch in der Mitte des Saales. Im Publikum wird noch geredet, weil man nicht weiß, ob das Stück schon begonnen hat oder ob noch aufgebaut wird – Kenner aber wissen, dass einer wie Chris Haring nichts dem Zufall überlässt. Behutsam schleust er so „Deep Dish“ in die Aufmerksamkeit der Zuschauer hinein, um sie dann eine Stunde lang gnadenlos im Bann zu halten. Das ständige Switchen zwischen Mikro- und Makrokosmos zieht einen wie im Sog in diese magischen Welten hinein. Mithilfe der hauptsächlich von Luke Baio geschickt geführten Handkamera kann man sich live auf die seltsamsten Expeditionen begeben, sich in Broccoli-Wäldern verlieren, auf Ananas-Klippen klettern, in rote Tomatenpampe eintauchen, monströse Wasserflöhe beobachten oder in furchtbar trübe Gewässer eintauchen. Das allein würde schon einen bezaubernden Filmabend ergeben, aber – aufgewacht! – wir befinden uns in einer Tanzperformance. Und in was für einer!

… und das Gemüse ist Tanz geworden 

Erst einmal spielen die Protagonisten feine Gesellschaft. Klischeehafte Mimik und Gestik und die typischen Handlungen bei Tisch verselbständigen sich immer mehr zu verdichteten Bewegungsabläufen. Absurde Monologe verstören und erheitern. Beschränkt man sich vorderhand einmal auf das, was man bei Tisch so tut, so entwickelt sich das Geschehen immer mehr in Richtung jener Dinge, die man bei, vor allem aber auf und unter dem Tisch absolut nicht tun sollte. In einem unglaublichen Bilder- und Farbenrausch, vollgestopft mit überraschenden Ein- und Ausblicken, werden die vier Protagonisten nahtlos in den überdimensional an die Leinwand projizierten Obst/Gemüse/Wasserglas-Dschungel integriert. Die ohnehin schon eigentümliche Welt wird durch überdimensionale Münder, Augen und Körperteile zusätzlich verfremdet. Manchmal glaubt man, vor dem Dilemma zu stehen, wie man sich gleichzeitig auf die tatsächliche Performance und auf ihre filmische Auflösung konzentrieren soll, ehe man im Strudel einfach mitgerissen wird und sich solche Fragen ganz von selber lösen. Schönheit und Dekadenz, Sinneslust und Vergänglichkeit vermählen sich in diesem barocken Spektakel, das immer bizarrere Ausmaße und rauschhafte Züge annimmt. Die üblichen Vorstellungen von Raum und Zeit spielen in diesem Überangebot an möglichen Wirklichkeiten keine Rolle mehr. Chris Haring nennt als Inspirationsquellen für seine künstlichen Paradies/Höllen-Szenarien wohl nicht ganz zufällig unter anderem auch Hieronymus Boschs „Garten der Lüste“.

Perfektes Zusammenspiel auf allen Ebenen 

Die live geführte Handkamera wird zur Lupe und zur Sonde und liefert grandiose Bilder, die nur selten – etwa in einer gespenstisch grünen Nachteinstellung oder durch geschickte Spiegelungstechniken – in stärkerem Maß manipuliert werden. Der phantastische Mikrokosmos, der die Akteure schließlich fast völlig absorbiert, bietet dem Auge genug an höchst erwünschten Irritationen. Witz und Tiefgründigkeit, bildhaft genial aufbereitet, verbinden sich auch in „Deep Dish“ wieder zu jenem unschlagbaren Gespann, das die Qualität von Chris Haring/Liquid Loft ausmacht. Wesentlichen Anteil an dieser außergewöhnlichen Produktion haben aber auch der Dramaturg und Lightdesigner Thomas Jelinek und der für kongeniale Soundscapes zur überbordenden Bilderflut sorgende Komponist und Sounddesigner Andreas Berger.

Dass die Kompagnie diesen Abend zum Schluss mittels in die Kamera gehaltener handgeschriebener Bildtafel dem 20-Jahre jubilierenden Festival und dessen Gründer und Macher Günter Marinelli widmete, war eine ausgesprochen nette Geste und wohl auch ein Dankeschön. Denn die genialen Künstler und das kleine aber feine Festival leben fast schon seit Anbeginn in einer wunderbaren Symbiose, von der vor allem auch die wachsende Zahl der Tanz- und Performance-Interessierten in diesem Land profitiert.

dansercanalhistorique.com, 23.5.2014

Les Chemins de traverse à Noisy-le-Grand  / Thomas Hahn

Journée très danse au festival Les Chemins de traverse, en salle et dans la rue ce vendredi 22 mai : N°8 avec Monstre d’humanité et Chris Haring avec The Perfect Garden – Deep Dish.

(…) À l’opposé, la création de Chris Haring, en salle, à l’Espace Michel Simon. Onirique, énigmatique, végétale, douce, voire romantique. Et pourtant, la thématique et le point de départ ne sont pas très différents. Un dîner se transforme petit à petit. Les perceptions se multiplient et se dilatent, pour nous parler d la décadence d’une humanité appelée à disparaître. Le motif du jardin devient le symbole de notre volonté à tout contrôler la nature. Mais quels mondes visuels que cela génère ici, grâce aux sculptures végétales et aux vidéos du plasticien végétal Michel Blazy !

die presse, kulturmagazin, 18.4.2014

Die Schönheit der Dekadenz / Ditta Rudle

ChrisHaring_Kulturmagazin.pdf  (1.32 MB)

der standard, 13.12.2013

Vorbei am Fenchel und hinein in den Chinakohl / Helmut Ploebst

Der Choreograf Chris Haring und seine Gruppe Liquid Loft liefern mit „Deep Dish“ ein Meisterwerk. Uraufführung war am Donnerstag im Tanzquartier Wien.

Wien – Dieses Abendmahl könnte ein letztes sein. Und die vier Tänzer, die ihm frönen, erscheinen wie morbide Demiurgen, wie ein Quartett aus entgleisten Schöpfergöttern, die ihr Erschaffenes einer Apokalypse zuführen. Das sind die Protagonisten in Deep Dish, dem neuen Stück des Wiener Choreografen Chris Haring, welches das dritte Kapitel seiner Perfect Garden-Serie bildet. Es ist noch bis Samstag im Tanzquartier Wien zu sehen.

Im pathetisch gesetzten Licht von vier Scheinwerfern dekorieren drei Frauen und ein Mann eine quadratische, üppig mit Früchten, Gemüse und anderem Gewächs beladene Tafel. Die leise Musik im Hintergrund könnte von den Avalon Boys sein. Von der Decke tropft Wasser in ein Glas. Der Tänzer führt eine Handkamera, deren Bilder auf eine große Hintergrundleinwand übertragen werden, an das vegetabile Arrangement heran und hinein in einen Chinakohl. An einem Fenchel vorbei zu Paprika, Wassermelone und Ananas.

Das ist schön anzusehen, aber so in Szene gesetzt, dass dieser Vegetarierlust sofort etwas Laszives und Unheimliches anhaftet. Die vier Figuren setzen sich an den Tisch und beginnen zu völlern. Was sie schnell aus der Fassung bringt. Sie geraten ins Plappern, ins Kichern und Tanzen. „Die Österreicher“, flötet eine der Frauen, „sind sehr streng mit der Lebensmittelkontrolle. Die Gurke muss genau 23 Zentimeter lang sein.“ Und alles, was den Normen nicht entspreche, müsse draußen bleiben und verderbe an der Grenze. Aber: „Kleinere Gurken kann man schwarz kaufen.“

Die Atmosphäre erinnert ein wenig an eine diskrete Bourgeoisie à la Luis Buñuel und indirekt an Das große Fressen von Marco Ferreri und Peter Greenaways Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber. Diese Assoziation ist nicht weit hergeholt: Denn Chris Haring führt – im bewährten Gespann mit Regisseur Thomas Jelinek und Musiker Andreas Berger – seine Tänzer Luke Baio, Stephanie Cumming, Katharina Meves und Anna Nowak leicht und süffisant in die Dekadenz der Gegenwart. Der Tisch steht als Metapher für die von einer außer Rand und Band geratenen Elite zunehmend verwüstete Welt.

Zerschnitten und zermatscht werden die Tomaten, geisterhaft grün leuchten von einer Nachtsichtkamera gefilmte Gesichter, die unter dem Tisch wie Ratten aus einem Horrorfilm an organischem Material naschen. Und Vogelgezwitscher mischt sich mit dem Summen eines Fliegenschwarms.

Die Tänzer wälzen sich auf dem Tisch, und von etwas Unaussprechlichem ist die Rede. Von etwas, das uns den Verstand rauben würde. Eine der Frauen redet von einer Pflanzensamenbank, die im Fall eines globalen Desasters unsere Rettung sein könnte. Die Bilder beginnen sich zu teilen und mutieren für Momente zu „Mikroben“, die fraktale Spiralen bilden. Und in eleganten Weingläsern auf dem Tisch tummelt sich allerlei Kleinstgetier.

Deep Dish präsentiert sich als bis ins Detail perfekt umgesetzte Mischung aus Tanz und Live-Film, in dem auch Lars von Trier als Referenz auftaucht (für diesen Hinweis sei einer Tänzerin aus dem Publikum gedankt): mit Georg Friedrich Händels berühmter Arie Lascia ch’io pianga, die der dänische Regisseur unter den Prolog seines Films Antichrist legte. Bei Haring tanzen dazu – das ist einer der vielen bestechenden Momente im Stück – Fadenwürmer im Wasser. Insgesamt gehört Deep Dish wohl zu den besten Tanzstücken, die dieses Jahr in Österreich zu sehen waren.

tanz.at, 13.12.2013

/ Ditta Rudle

In der neuen Folge der Serie „The Perfect Garden“ lädt Chris Haring drei Tänzerinnen und einen Tänzer zum üppigen Gastmahl. Michel Blazy hat den Tisch gedeckt, nicht nur Obst und Gemüse sind arrangiert, auch Flöhe und Seeanemonen tummeln sich im Wasserglas. „Deep Dish“ ist eine barocke Installation – in opulenter Schönheit an die Vergänglichkeit des Daseins gemahnend.

Die Tafel wird gedeckt. Knollen und Wurzeln, Blätter und Blüten, blau schimmern die Beeren der Weintraube, Wein und Wasser und am Schluss Teller und Besteck. Partyverpflegung. Stephanie Cumming, Katharina Meves und Anna Maria Nowak sind die sichtbaren Teilnehmerinnen, Sounddesigner und Komponist Andreas Berger sorgt für die Hintergrundmusik (samt Gelächter, Geplapper, Insektengesumm und Georg Friedrich Händel, barock eben.). der Tänzer Luke Baio ist zwar auch als Gast geladen, hat aber zusätzlich die Aufgabe, die Videokamera zu führen, um das Mahl bis ins kleinste Detail der im Glas hüpfenden Wasserflöhe und elegant schwimmenden Larven auf der großen Projektionsfläche im Bühnenhintergrund zu spiegeln, optisch zu kommentieren.

Viel Technik ist da eingesetzt, um die Tänzerinnen inmitten eines Urwalds aus Kohl und Kraut erscheinen zu lassen und aus ein paar Salatblättern in einer mit Wasser gefüllten Schüssel einen kreisenden Kosmos entstehen zu lassen. So faszinierend sind die gezoomten und in Zeitlupe gezerrten Bilder, dass ich ganz vergesse, dass unten (auf und unter dem Tisch) die TänzerInnen live agieren. Die Realität auf der Bühne, die ohnehin keine ist, sondern ein Schauspiel, wird auf der Videowand doppelt irreal, surreal sogar. Das anfangs manierliche Speisen artet bald zum großen Fressen aus, zum tierischen Schlingen und Schmatzen, Mampfen und Mantschen, Würgen und Reißen. Immer wieder mutiert das schöne Gastmahl zur Orgie, die Tafel wird zum Lotterbett, die Gliedmaßen verwickeln sich, die Körper wachsen zusammen, fallen wie im Kaleidoskop zu Bildern mit Déjà Vu-Effekt. Höhepunkte sind keine vorgesehen, durch Loops und sich wiederholende Module bleibt die Szene stecken. Mögliche Endpunkte (etwa der großartige Simulation der Galaxien) werden übergangen. Kluge Gedanken kommen mir keine. Ich bin von der computeranimierten Parallelwelt gefesselt, in der Soundmaschine gefangen. Im Programmheft steht, dass vom Wachsen und Werden, von Schönheit und Vergänglichkeit erzählt wird und sich alles, was im Mikrokosmos vor sich geht, im Makrokosmos wiederspiegelt. Oder umgekehrt? Wie auch immer, die Bilderflut, die Luke Baio live erzeugt, ist überwältigendes Kino. Allein, deshalb bin ich nicht gekommen.

wiener zeitung, 13.12.2013

Diffuser Glanz der Grossaufnahme / (pat)

Im Zentrum stehen nicht die Tänzer, sondern eine kleine Handkamera. Der von einem Performer live geführte Aufzeichnungsapparat filmt Arme und Beine, vorzugsweise jedoch das ebenfalls auf der Bühne platzierte Obst und Gemüse – das Durcheinander von Gliedmaßen und Essbarem ist in XXL-Format auf der raumhohen Leinwand im Bühnenhintergrund zu erleben. Chris Harings Tanzperformance „Deep Dish – The Perfect Garden Series“, die nun im Tanzquartier uraufgeführt wurde, ist eine 70-minütige Meditation zum weiten Feld der Sinneswahrnehmung.

Im Zentrum steht ein Esstisch, auf dem sich Lebensmittel türmen. Das Stillleben auf der Bühne der Halle G im Museumsquartier ist Forschungsgebiet: Kürbis, Erdbeere und Orange werden via Großaufnahme untersucht, Kohlköpfe verwandeln sich in surreal anmutende Kraterlandschaften, Orangen mutieren zu grellfarbenen Mondbezirken. Die Großaufnahme übt auf Filmemacher seit je Faszination aus, als Praxisinstrument und Gegenstand der Filmtheorie – von Epstein bis Deleuze. Im Close-up ändern sich die Eigenschaften der beobachteten Artefakte, bilden sich in enigmatischer Weise ab. Auf den ersten Blick erinnern die Aufnahmen, die Haring mit beachtlichem technischem Können auf die Leinwand bannen lässt, an „Leviathan“, die suggestive Naturfilmbeobachtungsstudie von Véréna Paravel und Lucien Castaing-Taylor.

Haring zählt zu den profilierten Choreografen heimischer Provenienz, seine Compagnie Liquid Loft genießt internationale Anerkennung; die Performances der Gruppe koppeln regelmäßig zeitgenössischen Tanz mit verwandten Kunstformen. Bei „Deep Dish“ geraten die Bewegungen der vier Tänzer auf der Bühne durch die Bildmacht der Kamera fast vollständig in den Hintergrund. „Deep Dish“ will gewissermaßen Choreografie von Kamera, Linse, Zoom sein. Leider büßt die derart entworfene Bildsprache im Lauf des Abends an Stringenz ein, wirkt verspielt und nebulös – und verliert sich im diffusen Glanz der Großaufnahme.

kurier, 14.12.2013

Wenn ein verschrumpeltes Salatblatt plötzlich zu einer Landschaft wird / Silvia Kargl

Ein vegetarisches Essen ist im Tanzquartier bei der Uraufführung von „Deep Dish“ des Performerkollektivs Liquid Loft angerichtet. Das jüngste Stück aus „The Perfect Garden Series“, für die Michel Blazy Räume mit Elementen aus der Natur gestaltet, ist dieses Mal ein Film mit live Interaktionen von vier Performern in einer Choreografie des künstlerischen Leiters Chris Haring.

Aus Obst, Gemüse und Pflanzen entstehen organische Skulpturen, deren Bezüge zur heutigen Gesellschaft vorgeführt werden. In Nahaufnahmen verschwinden Unterschiede zwischen Orangen und menschlicher Haut. Aus einem verschrumpelten Salatblatt wird eine Landschaft, die an die Vergänglichkeit gemahnt, Pilze mutieren zu zerfurchten Gebirgen. Dabei waren sowohl Pflanzen als auch Menschen kurz davor auch akustisch noch knackig (Komposition: Andreas Berger). Die Opulenz des Visuellen erinnert an die Barockzeit, deren Musik nahtlos in die Gegenwart gleitet. Auf der Bühne darf laut geschmatzt und hingebungsvoll geschlürft werden. Texte von Thomas Edlinger sorgen für Verzerrungen und absurde Momentaufnahmen. Ein sinnlich-groteskes Theater, zu dessen Flair auch authentische Gerüche beitragen.

APA, 13.12.2013

„Deep Dish“: Multimediale Es(s)kapaden im Tanzquartier / Barbara Wakolbinger

Utl.: Aktueller Teil der Chris Haring-Performancereihe „Perfect Garden“ – Visuell beeindruckende Auseinandersetzung mit allen
Facetten des Essens

Wien (APA) – Essen als soziales Ritual, orgiastisches Sinnesvergnügen, Überlebensnotwendigkeit und politische Message: In ihrer Performance „Deep Dish“ setzen sich Liquid Loft bzw. Choreograph Chris Haring mit allen Facetten der Nahrungsaufnahme auseinander. Der vor allem in seiner Multimedialität beeindruckende Teil der „Perfect Garden“-Reihe erntete am Donnerstagabend im Tanzquartier Staunen und Applaus.

Zentrum des Bühnengeschehens ist ein mit Obst und Gemüse reichlich gedeckter Tisch, um den sich Luke Baio, Stephanie Cumming, Katharina Meves und Anna Maria Nowak scharen. Schnell wird auch der zweite Hauptprotagonist des Abends klar: Eine kleine Videokamera – von den Tänzern selbst bedient – die ihre Bilder direkt auf eine Leinwand im Hintergrund überträgt.

In Großaufnahme werden Ananas und Fenchel zu abstrakten Gebilden, ein Blumenstrauß zum Dschungel und in einem Wasserglas tummeln sich Kohlensäurebläschen, nein doch Urzeitkrebse. Mal verdreifacht sich die Aufnahme von Nahrung und Mensch, schwankt zwischen Blairwitch-Optik und kompletter Dunkelheit. Oft übertrumpfen die Close-Ups von zerquetschter Wassermelone auf nackter Haut das tatsächliche Geschehen auf der Bühne.

Nach „WELLNESS“ und „Mush:Room“ ist „Deep Dish“ schon der dritte Teil der Liquid Loft-Performancereihe „Perfect Garden“ in Zusammenarbeit mit dem Visual Artist Michel Blazy. Essen ist hier pure Freude, die sich im Laufe des Abends bis zur Ekstase steigert und in Zusammenbruch und Fäulnis endet. Nahrung bedeutet aber auch Überleben: Es wird gefüttert und verschlungen, den einen oder anderen Seitenhieb auf Kochshows und Wegwerfgesellschaft nicht aussparend.

Politisch wird es dann spätestens bei der Gurke. Diese muss in Österreich nämlich ebenso wie viele andere Gemüse diversen Normen entsprechen. Tut sie es nicht, muss sie draußen bleiben. Vor den Grenzen stapeln sich wohl haufenweise unpassende Gemüse, wird gemutmaßt.

Es kaut, schmatzt und schluckt, am liebsten synchron und im Rhythmus. Neben der spektakulären Videokulisse sorgt neben den Lichtverhältnissen und dem Bewegungskonzept vor allem die Geräusch- und Musikuntermalung für eine gelungene rund einstündige Gesamtkomposition. Der Tropfen ins Wasserglas ist ebenso Teil der Atmosphäre wie das gelöste Plaudern eines weinseligen Abends, leise Musik und das Beißen in einen knackigen Apfel. Am Ende schließlich der Sturm im Brokkoliglas, einige erstaunte Blicke und langer Applaus.

reviews

interview with torunn liven

Oslo, Norway, for CODA Art Festival 2015 

«dance is also transitory and takes place in the moment, only to quickly disappear.» (CH)

Chris Haring is one of Austria’s leading choreographers and he has worked with DV8 Physical Theatre, Nikolais/Luis Dance Cie and Nigel Charnock, among others. In collaboration with the composer and multimedia artist Klaus Obermaier, he has developed the video-dance productions D.A.V.E. and VIVISECTOR, which have been shown in many parts of the world. He won the Golden Lion at the Biennale di Venezia in 2007 for the dance installation The Art of Seduction. As the artistic director of Liquid Loft he has been responsible for all the company’s productions since its foundation, such as the opening production for the Austrian pavilion at the World Expo in Zaragoza in 2008. More recently he has worked with international ensembles including Jin Xing Dance Theatre, Les Ballets de Monte-Carlo and Moscow Ballet.

In the Garden of the Ephemeral 

Beauty is the only hope we have, according to Chris Haring.

The Austrian choreographer has prepared a choreographic film that both celebrates and contemplates the ephemeral. With ingredients and motifs from film history and the visual arts, from The Feast in the House of Levi to the Last Supper, Deep Dish is a dinner party that unfolds like a Baroque garden, in which the decadence will soon and irrevocably cease to exist forever. But within humans’ attempts to escape from their own mortality, arises as well all things’ capacity for natural transformation, enlarged and reflected through the living images from the dancers’ hand-held camera. As in a live nature morte installation, in visual artist Michel Blazy’s scenographic world of organic material and mildew, decay, too, has a fascinating colour and evolution.

“The idea of a garden has been a central theme in the arts for thousands of years. It is about the human being who in a way is playing god in relation to nature. In Michel Blazy’s work, beauty emerges down to the tiniest detail through organic processes that take a very long time, and which in turn are evolving towards their own annihilation. Dance is also transitory and takes place in the moment, only to quickly disappear. We rehearse throughout a whole year and what remains in the production is just a fraction of that which in the end exists solely as a memory in the spectator. The fact that everything will one day disappear we can do nothing about, but through Blazy’s work the fear of death is done away with,” says Haring.

«in an instant sound can change the experience of a small space into the whole universe.» (CH)

Multimedia

Liquid Loft has through the productions WELLNESS, Mush:Room and Deep Dish in the series The Perfect Garden collaborated with the Monegassian visual artist known for his biological installations and living sculptures as a kind of morbid homage to the cycle of life. Haring came across Blazy’s tower of rotting orange peels and organic mutations at an exhibition at the Palais de Tokyo in Paris in 2007. In the same way as Liquid Loft, the sculptor’s work touches upon the relation between the natural and the man-made. While Deep Dish comes across as an artificial paradise, the company will often deconstruct the idea that something can be artless on stage, including the human body.

“I was enchanted by the timelessness in Blazy’s works. He helps us to see the world from a micro perspective and he´s also a very inspiring person to work with for us in the company. Dancing broccoli can invoke the same peacefulness as a ballerina who raises her arms. The production does not address whether it is good or bad, but reminds us that everything is ephemeral.”

For the man behind Liquid Loft the affinity for other art forms is central for the company’s expression and they have for many years experimented with multimedia and interdisciplinary art collaborations to create moveable gesamt artworks.

“For me there are no other ways of doing this; dance must be related to other forms of art. The context is the art, the way I see it. That is how I think and what I personally like to experience. Pure dance is beautiful but not in and of itself interesting enough for me.”

Chris Haring originally studied music with a pedagogical approach but quickly came into contact with contemporary art in Vienna in the early 1990s. For almost 20 years he has worked as a dancer, in places such as New York and Amsterdam, but it was always choreography and the big picture that he wanted to work with. In 2005 he started Liquid Loft together with dancer Stephanie Cumming, dramaturg Thomas Jelinek and the musician Andreas Berger, who continues to contribute to the company’s unique acoustic universe of sound-based displacements.

“Andreas is a genius when it comes to combining sounds and he is a dancer with his fingers on the soundboard. When the voice is separated from the body, only to be later resurrected in a modified edition, it gives the dancers new and undreamed of possibilities. But we also use a lot of sounds that we otherwise don’t notice, such as crushed tomatoes, or the sound of eating an orange. These are easy to manipulate on stage and have a transformative power that creates different layers in the production. In an instant, sound can change the experience of a small space into the whole universe.”

The acoustic work contributes ultimately to the transformation of the body as the central theme for Liquid Loft.

“Every single choreography seeks to put the body in a specific light. The audience must always acquire a different perspective on the body through the productions. I love dance and I like very much to see dance but I always need a reason for the dance to be there. Most of the time we are in a way seeking a reason why we are trying to explain something abstract with the body. In German “the body” can mean several things. I see the body as a kind of vessel, or as hardware that can be filled with different software. It is also a fantastic aesthetic design. As a choreographer I must reduce and eliminate, there cannot be one superfluous movement on stage. It is something fundamental that we want to arrive at.”

The body as an instrument 

Science fiction and cyborg theory were central for the company when it was started and their first productions reflect upon how new technology fundamentally changes our perception of and relation to the body. The name “Liquid Loft” does not just reflect that in the beginning they were based in a city loft in Vienna with associations of Andy Warhol’s Factory, but also the fleeting quality of movement along with a certain type of computer memory.

“We are still interested in science fiction, but today the technological perspective and the idea of the cybernetic body is integrated into our lives with imperceptible boundaries in a wholly different way, such as through social media. The organic body becomes thirsty and hungry, but the digital body can become exactly the way we want it to be.”

In Deep Dish the handheld camera is a tool for transmission between a micro-cosmos and a macro-cosmos, but also between bodies and technology, in a mobile visual image which from paradise to purgatory recalls the painter Hieronymus Bosch’s triptych The Garden of Earthly Delights from the beginning of the 16th century.

“The painting is in my opinion one of the foremost science fiction pictures in art history. Like Stanley Kubrick, we use the camera as a magnifying glass to show a parallel world. The dancers are artists who manage to move in this way, with the camera – it requires extreme precision, both in front of and behind the camera. We try to address what is taking place in the surrounding world of our times, but it is not a political body we are interested in. Like music, the body is a universal instrument that works with qualities and ideas that can’t always be expressed in words.”

But it is with a certain doomsday atmosphere and a motif taken from Lars von Triers Melancholia that Deep Dish inflates an orange reminiscent of the planet, which causes the end of the world in the film. The production is the only one Haring has done in which the body disappears completely in the end.

“Just look at the decadence we are living in, in our part of the world, and simultaneously, so much injustice and pain. We are still not able to make the planet sustainable, but continue to celebrate. To share this short-lived time which the production represents is in itself a celebration. But beauty is the only hope we have, in life as in the performance,” says Chris Haring.

interview